"Feeertig!" Trotz Erschöpfung leuchten Hildes Augen. Sie ist zufrieden mit ihrer Arbeit. „Ich habe es geschafft. Geschafft aus der Wüste an die Quelle zu kommen."
Dann sprudelt es aus ihr hervor. Sie erzählt von ihrer Scheidung, den langen, harten Jahren als berufstätige Mutter, von ihrem Kampf sich aus der Isolation und Einsamkeit zu befreien. Sie drückt ihre Freude und Zuversicht darüber aus, dass sie ihre Quelle der Lebensfreude neu entdeckt hat. Überglücklich möchte sie neu an den Brunnen des Lebens treten und trinken, leidenschaftlich, bei-nahe gierig trinken.
Während zwei Tagen hat Hilde viele Stunden an diesem Bild gearbeitet. In dieser Zeit hat sie Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Trauer noch einmal erlebt. Sie wurde noch einmal erinnert an ihre Einsamkeit und Mutlosigkeit, an die Zeit, in der sie bis zur totalen Erschöpfung kämpfte, erinnert an die Zeit, in der sie sich sagen musste: Ich kann nicht mehr! Während ihrer Arbeit am Bild konnte sie ihren Gefühlen und ihren Tränen freien Lauf lassen, konnte intensiv die vergangene schwere Zeit noch einmal erleben und spüren. Sie hat sich beim Malen von einem Stück Last der Vergangen-heit befreit. Das Wasser, die Quelle, sie waren schon immer da. Nun hatte Hilde sie gefunden. Die Arbeit hat sich gelohnt, der lange,beschwer-liche Weg hat zum Ziel geführt. Hilde geht jetzt mit gestärktem Vertrauen in ihre eigene Kraft aus dem Atelier hinaus in den Alltag.